Förderverein für die Erhaltung der Evangelischen Ostkirche in
Pfalzdorf e.V.
 

POST FÜR DICH IV


                                            Pfalzdorf, im Oktober 2017

Ein Kleinod der Gemeinde

Wer kennt sie nicht, jene Straßenecke in Pfalzdorf, an der sich Kirchstraße und Ostkirchstraße kreuzen? Jeder, der von Pfalzdorf nach Louisendorf fährt, passiert sie in der Regel langsam. Denn ein mar kantes Gebäude prägt diese Kreuzung: Die Ostkirche, im Volksmund wegen ihres Anstrichs „Rosa Kirche“ genannt. Dieses Kleinod unserer Kirchengemeinde kann uns viel erzählen aus der Zeit der Entstehung und den fast 240 Jahren seiner Nutzung.
Bereits sechs Jahre nach ihrer Ankunft 1741 am Niederrhein stellten die in der Gocher Heide angesiedelten Pfälzer bei König Friedrich II den Antrag, für den Bau einer Kirche eine Kollekte abhalten zu dürfen. Nach dem positiven Bescheid des Königs und vielen unruhigen Jahren, in denen in der Gemeinde streitbare Diskussionen geführt wurden, konnte endlich am 29. August 1776 der Grundstein für diese kleine lutherische Kirche gelegt werden. Sie wurde nach Plänen des Berliner Landbaumeisters Brix errichtet und schließlich am 24. Oktober 1779 geweiht. Im Festgottesdienst betonte Prediger Chris- toph Hesse aus Kleve in seiner Predigt: „Hier, wo vor etwa vierzig Jahren nichts als eine unfruchtbare Wüste war, ..., hier stehen nun zwei evangelische Gotteshäuser da!
Überspringen wir nun viele Jahrzehnte ihrer Geschichte. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Ostkirche sehr stark beschädigt, so dass man Anfang der 1950er Jahre erwog die Kirche abzureißen. Aber das Staatsbauamt lehnte dieses Ansinnen aus Denkmalschutzgründen ab und bewilligte stattdessen eine Generalinstandsetzung. 1974 erfolgte eine neuerliche Renovierung, wobei die Kirche ihren markanten Außenanstrich erhielt. Seit 1982 nun steht das Gebäude als überregional bedeutsames Denkmal in der Denkmalliste des Landes Nordrhein-Westfalen. 
Auch wenn die Kirche – wie beschrieben – mehrfach renoviert wurde, musste sie 2006 aus Gründen der Bausicherheit geschlossen werden. Welches Bild bot die Kirche seinerzeit? Ein undichtes Dach, fehlende Fensterverkittung, abfallender Außenputz und morsche Schallluken waren der offensichtlichste Hinweis auf Schäden durch Feuchtigkeit. Im Innenraum hatte diese Feuchtigkeit über Jahrzehnte hinweg zu morschen Säulenfundamenten geführt. Die Evangelische Kirchenge meinde Pfalzdorf sah sich jedoch wegen einer angespannten Finanzsituation nicht mehr in der Lage in die Sanierung der Ostkirche zu investieren. 
Für viele Pfälzerinnen und Pfälzer, Pfalzdorferinnen und Pfalzdorfer legt die kleine Ostkirche allerdings Zeugnis für ihre Glaubens- und Dorfgeschichte ab. Sie verbinden mit ihr persönliche Erinnerungen und Erfahrungen. Schnell fanden sich engagierte Menschen zusammen, die den „Förderverein für die Erhaltung der evangelischen Ostkirche in Pfalzdorf e.V.“ gründeten. Kirchengemeinde und Förderverein regelten dann gemeinsam 2010 in einem Nutzungsvertrag ihr Engagement zum Erhalt der Kirche. Endlich konnten überfällige Reparatur-maßnahmen in Angriff ge- nommen werden: Sicherung des Dachbodens, Erneuerung der Fensterverkittung und tragenden Säulenfundamente, Neueindeckung des Daches mit Blitzschutz-anlage, Ausbesserung des Außenputzes und Einbau der neuen Schallluken sowie der neuen Eingangstür. Der Innenanstrich in hellen Farben schaffte im gesamten Kirchenraum eine warme, freundliche Atmosphäre. Trotz aller sorgfältigen Sanierungen entdeckte man aber immer wieder Feuchtigkeit im Fundament. De- tektivischer Spürsinn deckte schließlich die Fallrohre für das Regenwasser als Ursache auf. Was man dort entdeckte, finden Leserinnen und Leser unter www.ostkirche-pfalzdorf.de im Archiv 2014. 
Alle baulichen Maßnahmen wurden im Einvernehmen zwischen Landeskonservator, Landeskirchenamt, Kirchengemeinde und För- derverein durchgeführt und durch Einsatz vieler ehrenamtlicher Helfer, Spendengelder vieler Menschen und Institutionen sowie die finanzielle Unterstützung der Kirchengemeinde gestemmt. 
Bischof Wolfgang Huber formulierte einmal: „Kirchen sind Zeichen der Zeit, Stein gewordene Mahnwachen in der Landschaft, Leuchttürme in der Mitte des Lebensraumes.“ Diese Aussage gehört zum Leitbild des Fördervereins und so kümmert dieser sich auch darum, dass die Ostkirche allen interessierten Menschen für einen Besuch, auch kultureller Veranstaltungen, offensteht. 
Das kann man nachlesen, wenn man in das Veranstaltungs-programm 2017 schaut. Klassische Gitarrenkompositionen und Klassiker der Popmusik brachte das Gitarrenorchester GINGO zum Klingen. Andreas Ost entlockte Klangschalen, Gongs und anderen Schlaginstrumenten langanhaltende, schwebende Klänge, Manfred Haase zauberte mit seiner Querflöte Bachsche Musik in den Kirchenraum. Im Oktober wird das Gocher Mandolinen-orchester die Zuhörerinnen und Zuhörer dann in Traumland-schaften entführen. Nicht nur Musiker, auch Vortragende von Lesetexten und Gedichten wie Annette Hagen bestaunen und loben die exzellente Akustik des Kirchenraumes. 
Kirchen bilden eine kulturelle und soziale Mitte in den Gemeinden, nicht nur wegen ihrer historischen und baukulturellen Bedeutung, auch aus sozialer Sicht. Davon ist der Architekt Jörg Beste, der Kirchengemeinden bei der Sanierung ihrer Kirchengebäude berät, überzeugt. So kamen während der Poster-Ausstellung „Here I stand – Martin Luther, die Reformation und die Folgen“ viele Besucherinnen und Besucher miteinander ins Gespräch. Auch der Denkmaltag am 10. September, an dem die Ostkirche ihre Eingangstür weit geöffnet hatte und mit einem kleinen Imbiss nach Rezepten Katharina Luthers Interessierte zum Besuch einlud, ermöglichte solch einen Gedanken- austausch. 
Sicher stellt sich mancher nun die Frage: Kann denn die Ostkirche jetzt auch wieder als Gottesdienststätte genutzt werden? Ja, sie könnte. Jederzeit könnten wieder Gottesdienste, Taufen, Hochzeiten und Trauergottesdienste in ihr stattfinden. Ein weißes Leinentischtuch und ein buntes Antependium, Kerzenleuchter und Bibel schmücken den Abendmahlstisch. Ein Taufgeschirr mit Krug und Teller steht bereit. Schließlich sind alle Stühle mit einem farblich abgestimmten Sitzpolster bedeckt. 

Ein Wermutstropfen bleibt noch: Die Außenfassade muss dringend endgültig saniert werden. Hier stocken jedoch seit einiger Zeit die gemeinsamen Absprachen zwischen der Kirchengemeinde und dem Förderverein. 

Besuchen Sie doch mal die Ostkirche und lassen Sie den schmucken Kirchenraum auf sich wirken! Alle beschriebenen Anstrengungen wurden unternommen – „damit die Kirche im Dorf bleibt“. 

Ingeborg Ramforth-Pape http://www.ostkirche-pfalzdorf.deshapeimage_4_link_0





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